Karesuando – Galdotieva

Über die Brücke rollen wir hinüber nach Finnland und fahren entgegen unserer Hauptrichtung für ca. 40 km nach Südosten.

Wieder in Finnland angekommen…

Dann geht es wieder nach Nordosten, dafür aber mit Gegenwind. An einer Bushaltestelle treffen wir ein Fernradlerpärchen aus Horb und ratschen ein bißle.

Endlose Straßen…

In Enontekiö stärken wir uns mit All-you-can-drink-Kaffee und süßen Backwaren, bevor wir uns auf die letzten 25 km zum nächsten Campingplatz begeben. Da die Nächte wieder empfindlich kalt werden, nehmen wir eine urige Blockhaushütte. 

Campingplatz mit Blockhaushütten

Skidoo-Beschilderung abseits der Straßen

Weil es sonst heute nicht viel spannendes zu berichten gibt, an dieser Stelle mal ein Wort zu den Koordinaten: Wenn man über das Nordkap spricht, denkt man eigentlich nur über die nördlichen Koordinaten nach. Inzwischen sind wir aber auch ein ganzes Stück nach Osten vorangekommen. Heute waren wir mal kurz auf 23,6° östlicher Länge. Auf diesem Längengrad liegt ungefähr auch Athen! 

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Vittangi – Karesuando

Um 4:46 Uhr weckt uns ein Kuckuck, keine 50 m vom Zelt entfernt. Wir bleiben bis sechs Uhr liegen, bauen das Zelt ab und begeben uns auf die Straße nach Norden. Naja – es ist die einzige Straße. Soviel Auswahl haben wir nicht. Es gibt fast keinen Verkehr mehr, alle zehn Minuten vielleicht mal ein Fahrzeug. 

Kaum Verkehr auf der E45

Es geht vorbei an Mooren, Wald, Mooren und noch mehr Wald. Doch hinter der nächsten Kurve gibt es die Überraschung: Wald! Sogar links und rechts der Straße.

Gegen Mittag machen wir Rast an einem wunderschönen (von Wald umgebenen) See.

Unser Rastplatz

Die Fahrt geht weiter, immer Richtung Nordosten und fast die ganze Strecke direkt in den Gegenwind. So ziehen sich die 105 Tageskilometer ohne auch nur einen einzigen Ort, Supermarkt oder Café unterwegs endlos hin, bis wir schließlich den Grenzort Karesuando an der schwedisch-finnischen Grenze erreichen.

Brücke an der stillgelegten alten Straße

Auf dem Campingplatz angekommen nehmen wir wieder eine Hütte und machen uns erst einmal einen Kaffee. 

Campinghütte vor Schwedens nördlichster Kirche

Neben der Brücke über den Grenzfluss Muonionjoki nach Finnland steht die nördlichste Kirche Schwedens, der Campingplatz reklamiert für sich auch der nördlichste zu sein. 

Grenzbrücke in Richtung Finnland

Mitternachtssonne


PS: Wir hatten mit mehr Kommentaren und Proteststürmen zu unserem gestrigen Eintrag „Elch-Baum“ gerechnet. Das war natürlich Quatsch und „fake news“. Von wegen der Elch bleibt seinem Baum treu… Und die Haare sind nur Flechten. 😉

Gällivare – Vittangi

Wieder scheint uns die Sonne vom wolkenlosen Himmel, da ein stabiles Hoch über Lappland liegt.

Wir verlassen Gällivare, schauen zurück auf eine der Minen und fahren nach Osten. Dort treffen wir auf die E10, die nach Norden Richtung Kiruna führt. Es geht stetig bergauf, bis die 500-Meter-Marke überschritten ist.

Eisenerz-Bergwerk Gällivare

Gemeinsamer Verlauf von E10 und E45

Dort oben finden wir den ersten Elch-Baum. Er ist über und über mit Bast und Haaren des Elchs bedeckt, der sich Jahr um Jahr dort den Bast vom Geweih reibt. Jeder Elch sucht sich so einen Baum und bleibt ihm ein Leben lang treu. Leider ist der entsprechend Elch vor ca. 10 Jahren gestorben. Dies sieht man deutlich daran, dass der untere Bereich frei von Haaren ist. Faszinierend.

Der Elchbaum

Unterwegs kommen wir noch an einem weiteren besonderen Baum vorbei: Eine Kiefer, deren Krone wie eine Kugel geformt ist. Mehr hierzu erfahren wir nicht, aber alle Touristen halten auf dem Rastplatz an. 

Kiefer mit Kugelkrone

Zeltkote der Samen an einer Raststätte an der E10

Wir fahren weiter und schlagen auf einem verlassenen Campingplatz außerhalb von Vittangi unser Zelt auf. Im Zelt ist es so heiss, dass wir Abkühlung im Schatten ausserhalb suchen… Der Sommer ist endlich da. Abends kommt doch noch jemand im Lieferwagen vorbei, kassiert die Platzmiete und verschwindet wieder. Außer Toilettenpapier mangelt es aber an nichts auf dem Campingplatz. 

Auf dem verlassenen Campingplatz

Jokkmokk – Gällivare

Schlafen kann man trotz Mitternachtssonne ganz gut. Der Körper holt sich schon den Schlaf, den er benötigt, auch wenn es draußen ständig hell ist.

Beim Frühstück schlagen wir uns den Bauch recht voll, um für die Tagesetappe von 100 km gerüstet zu sein.

Frühstücksbuffet – es fehlt an nichts

Dann brechen wir auf und machen uns von der Jugendherberge Åsgård auf zur E45 Richtung Gällivare.

Auf dem Weg nach Norden überqueren wir mehrere Staustufen des Luleälven. Ein Kraftwerksgebäude sucht man vergebens, da alles Kavernenkraftwerke sind – d.h. außer dem Staudamm und den Hochspannungsleitungen sieht man nichts. Zwischen den einzelnen Stufen steigt die Landschaft auf 520 m an, bis wir in Porjus nach Osten abschwenken.

Vattenfall-Kraftwerk Akkats

Vattenfall-Kraftwerk Porjus

Links und rechts der Straße liegen nun mehrere Nationalparks, die von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurden. Klar, außer Seen, Mooren und Wäldern gibt es hier nichts, was man anpreisen könnte. Rentiere an und auf der Straße sind inzwischen nichts besonderes mehr. 

Bäume auf den Bergen werden zur Mangelware

Nach einer schönen langen Abfahrt hinunter nach Gällivare beenden wir die heutige Etappe auf dem hiesigen Campingplatz. In Gällivare befindet sich die zweitgrößte unterirdische Eisenerzmine der Welt, ein paar Kilometer außerhalb der größte Kupfertagebau Schwedens. 

Kåbdalis – Polarkreis – Jokkmokk

Eine entspannte Etappe steht auf dem Programm. Nachdem uns die Sonne bereits wieder um sechs geweckt hat, sind wir um sieben fertig mit dem Zeltabbau und auf der E45 Richtung Polarkreis. Erst einmal laufen uns einige Rentiere über den Weg. 

Rentiere auf der E45

Am Polarkreis angekommen treffen wir auf eine andere Fernradlerin, die am 15. Mai in Bonn aufgebrochen ist.

Etappenziel Polarkreis

Am Polarkreis

Das Café am Polarkreis öffnet erst nächste Woche, da der Sommer noch nicht begonnen hat… Wir finden die Temperatur von 21 Grad sehr wohl sommerlich.

Dafür erfahren wir, dass der Polarkreis nicht statisch auf 66,57° liegt, sondern sich in gewissen Zyklen nach Norden und Süden bewegt. Grund ist das Taumeln der Erdachse.

Man beachte die Sonnenscheindauer morgen!

Nach den obligatorischen Fotos rollen wir weiter Richtung Jokkmokk. Beim Mittagessen beobachten wir das Geschehen auf der Hauptstraße und stellen fest, dass heute der letzte Schultag war, da viele junge Leute mit Tracht sowie Blumen und Papierumschlägen unterwegs sind.

„Nya Kyrka“ Neue Kirche in Jokkmokk

Außerdem fällt uns auf, dass es hier, wie schon im Rest des Landes und auch in Finnland, eine große Fangemeinde für amerikanische Cruiser gibt. Innerhalb von nur wenigen Minuten können wir etliche dieser aufpolierten Automobile fotografieren. 

Ami-Schlitten

Unser Quartier beziehen wir heute in der Jugendherberge von Jokkmokk, weil wir es nach zwei Wochen auf Achse leid sind, unser Frühstück selbst machen zu müssen. 

Jugendherberge „Åsgård“

Arvidsjaur – Kåbdalis

Heute fahren wir den ganzen Tag auf der E45 nach Norden: Wald links der Straße, Wald rechts der Straße und eine ziemliche Hügellandschaft. Dafür ist das Wetter super: 20°C und Sonne gemischt mit Wolken.

Kurz hinter Arvidsjaur geht links eine Straße weg zu einem ZF-Testcenter. Wir bleiben aber auf Kurs, denn wir wollen nicht ständig an die Arbeit erinnert werden. 

Am Nachmittag überqueren wir den 66. Breitengrad. Wir sind nun soweit im Norden, dass die Satellitenschüsseln an den Häusern verblüffend flach eingestellt werden müssen, um die geostationären Satelliten anzupeilen.

Gegen abend schlagen wir unser Zelt in Kåbdalis auf einer Landzunge auf. Auf dem Bergrücken dahinter sind vier Skilifte und Reste von Schnee sichtbar. Wir befinden uns hier auf nur 350 m über Null. 

Morgen werden wir den Polarkreis auf 66,57° erreichen und danach Jokkmokk ansteuern, um unsere Nahrungsvorräte aufzufüllen. 

Österjörn – Arvidsjaur

Die Sonne weckt uns um halb sechs. Frühstück mit Rührei ist angesagt. Dann geht es los Richtung „Schwedisch Lappland“.

Mit leichtem Südwind und mäßiger Bewölkung fährt es sich angenehm. Bis Glommersträsk kommen wir gut voran. Dort kaufen wir ein und gönnen uns im kombinierten Café-Supermarkt einen Kaffee. Ein ebenfalls kaffeetrinkender Taxifahrer schimpft auf die vielen Elche entlang der Straße nach Arvidsjaur. Des Touristen Freud ist des Einheimischen Leid.

Mal wieder „Kanelbullar“ und Kaffee

Kurze Zeit später erfahren wir endlich, wo das Ikea-Billy-Regal herkommt: Am Ortsende von Glommersträsk lässt das schwedische Möbelhaus Holz verarbeiten.

Ikea-Werk

Die Straße verläuft bis zu unserem heutigen Etappenziel parallel zu einer stillgelegten Eisenbahnstrecke. Unvermittelt sehen wir dann tatsächlich mehrere „Elche“, bis wir etwas nachdenklicher werden und merken, dass wir es mit Rentieren zu tun haben. Trotzdem schön, das gehört eben zu Skandinavien. 

Ein Rentier!

Noch eins!

Schon wieder welche!

An der Eisenbahnstrecke entlang

Auf dem Campingplatz in Arvidsjaur angekommen hat unsere Hütte zum Glück auch einen angeschlossenen Trockenraum, denn wir müssen unsere Klamotten mal wieder richtig waschen und bis morgen früh trocken bekommen.

In 3 Tagesetappen haben wir jetzt den Sprung von der E4 an der Ostseeküste zur E45 im Landesinneren geschafft. Ab morgen geht es dann zielstrebig weiter nach Nordosten.